Punze — das Goldschmiede-Handwerk als Disziplin und Tradition.
Punze ist ein monatlich erscheinendes deutschsprachiges Fachmagazin für Goldschmiede-Handwerk, Schmuck-Gestaltung und angewandte Kunst. Wir schreiben über die werkstattliche Praxis des Treibens und Ziselierens, über Granulations- und Filigran-Techniken mit ihrer jahrhundertealten Linie zwischen den etruskischen Werkstätten und der modernen Wiederentdeckung durch Treskow und Pinton, über zeitgenössisches Schmuck-Design zwischen Hermann Jüngers Münchener Schule und der internationalen Contemporary-Jewellery-Bewegung, über die werkstoffliche Tiefe der Edelmetall-Legierungen und der gemmologischen Edelstein-Bestimmung, über die Berufs-Architektur der Goldschmiede-Lehre und der Schmuckdesign-Hochschulen, und über die museale Bewahrung und Restaurierung historischer Schmucksammlungen. Kein Werkstatt-Werbeblatt, keine Schmuckmarkt-Marketing-Verlängerung, keine Auktions-Katalog-Beilage. Ein redaktionelles Fachmagazin, das das Goldschmiede-Handwerk als handwerkliche Disziplin und als kunsthistorischen Gegenstand behandelt.
Punze ist explizit kein Schmuckhandel und keine Wiederbelebung einer früheren Verwendung dieser Domain. Das Magazin steht in keiner institutionellen, organisatorischen oder personellen Verbindung zu der ehemaligen Domain-Verwendung oder zu deren Themenfeld. Wir publizieren keine Produkt-Empfehlungen, keine Werkstatt-Verzeichnisse, keine Vertriebs-Hinweise.
Der Takt ist monatlich. Sechs Ressorts — Handwerk, Schmuck, Material, Ausbildung, Sammlung, Markt — bilden das Gerüst, in dem wir kontinuierlich publizieren. Nicht jedes Heft füllt alle sechs Felder gleich; manchmal verdichten sich drei Texte um eine Schmuckmuseum-Pforzheim-Ausstellung, manchmal hängt eine ganze Ausgabe an einer Reportage aus einer Werkstatt-Tradition. Die aktuelle Mai-2026-Ausgabe hat ihren Schwerpunkt in der Granulations-Technik nach Treskow und Pinton sowie in einer Bestandsaufnahme der Inhorgenta-2026-Designer-Auswahl jenseits der großen Markenhäuser.
Der Name Punze ist Programm. Die Punze ist das goldschmiedische Werkzeug zur Setzung von Edelmetall-Stempeln — die kleine Stahl-Spitze, mit der Goldschmied:innen die gesetzliche Feingehalts-Markierung (333, 585, 750, 925) und die persönliche Meister-Marke in das Werkstück einprägen. Sie ist das Werkzeug der Signatur, der Identifikation, der gesetzlichen Pflicht-Eintragung und der handwerklichen Selbstvergewisserung zugleich. Ein Magazin, das diesem Begriff seinen Titel gibt, verpflichtet sich zur Sorgfalt der Markierung: zur klaren Quellen-Identifikation, zur handwerklichen Genauigkeit der Beschreibung, zur sichtbaren Eintragung der Redaktions-Haltung auf jeder Seite.
Was uns inhaltlich interessiert, ist die Spannung zwischen der bewahrten handwerklichen Tradition und der zeitgenössischen Praxis. Granulation ist seit ca. 600 v. Chr. als Technik dokumentiert; ihre wiederentdeckte Anwendung im 20. Jahrhundert verlangte die Lösung von metallurgischen Detail-Fragen, die jahrhundertelang verloren waren. CAD-gestützte Schmuck-Konstruktion ist seit den 1990er-Jahren in vielen Werkstätten Alltag; sie verändert die Vorstufen-Logik des Designs, ohne die werkstattliche Endfertigung obsolet zu machen. Contemporary Jewellery hat sich seit den 1960er-Jahren als eigene gestalterische Disziplin etabliert, die ihre Werkzeugkasten-Vertrautheit teilt mit der traditionellen Goldschmiede-Werkstatt, aber ihre konzeptuellen Ankerpunkte aus der bildenden Kunst bezieht. Wir lesen das nicht als Bruch, sondern als gleichzeitige Schicht einer Disziplin, die mehrere Zeit-Linien parallel führt.
Geschrieben ist Punze für Goldschmiede-Meister:innen und Gesell:innen mit eigener Werkstatt, für Schmuck-Designer:innen (selbstständig oder angestellt), für Studierende der Schmuckdesign-Hochschulen, für Schmuck-Sammler:innen und Auktionshaus-Beschäftigte, für Museums-Restaurator:innen mit Edelmetall-Spezialisierung, für Schmuck-Journalist:innen und für ein allgemeines kunsthandwerklich-interessiertes Publikum. Wir setzen Vertrautheit mit Fachterminologie voraus (Karat-Kunde, Hartlöt-vs.-Weichlöt-Verfahren, Brillanz, Pavillon-Winkel), aber kein Hochschul-Examen; eine Professorin für Schmuckgeschichte wird hier wenig grundsätzlich Neues finden, ein:e Goldschmiede-Geselle:in im zweiten Berufsjahr vielleicht schon.
Gastbeiträge
Punze nimmt Gastbeiträge an. Wer einen Text geschrieben hat — Werkstatt-Bericht, Werkstoff-Notiz, Restaurations-Erfahrungsbericht, Schmuckgeschichts-Recherche, Designer-Porträt — und ihn bei uns sehen möchte, schickt eine Schreibprobe an [email protected]. Wir antworten in der Regel innerhalb einer Woche und honorieren angenommene Beiträge nach festen Sätzen. Kürze ist kein Nachteil, eine präzise Werkzeug-Benennung sagt mehr als drei Absätze Allgemeinurteil, und wer Edelstein-Bestimmungs-Notizen sauber zitiert (Gerät, Befund, Datum), hat schon einen halben Text geschrieben.
Das Goldschmiede-Handwerk ist für uns kein Lifestyle. Es ist die mühsame Übung, am Dienstagvormittag mit einer Punze und einem Hammer eine drei Millimeter lange Marke in ein einseitig poliertes Werkstück zu setzen, ohne dass die Markierungs-Tiefe das Niveau einer Beschädigung erreicht.